Sind Skizzen vor dem "großen Gemälde" notwendig?

Susanne Haun
Wieder halte ich mich zurück ....


Es sei nur soviel gesagt, die Skizzen klären die großen Arbeiten. Ich male oft über, mache keine Skizzen und habe so viel mehr Arbeit. Kläre ich das Bild vorher mit einer Skizze, dann ist brauche ich den Aufbau nicht während des Malens zu klären und brauche nicht so viel übermalen. Ich frage mich allerdings, ob die vielen Schichten Farbe nicht auch die Lebendigkeit ausmacht!

Gruß Susanne
Sunny
Ich denke schon, dass die schichten dem Bild Lebendigkeit verleihen. Das Bild wird irgendwo zu seiner eigenen Entstehungsgeschichte. Allerdings kommt es dabei oft darauf an, was man malt... Einem absolut realistischen Bild wäre eine Skizze vorher vielleicht angebracht... bei einem gegenständlichen, sehr stark strukturierten Bild vielleicht auch. Ich denke, man kann nicht pauschal sagen, keine Skizze verleiht dem Bild Lebendigkeit oder eine Skizze ist unbedingt nötig...
poeticart
bei acrylbildern mag das sein, das die schichten die lebendigkeit ausmachen, und da wird auch bei mir cshonmal übermalt und hier oder dort was geändert

bei meine ölbilder bevozuge ich zartheit und leichtigkeit, so das das grundgerüst immer skizziert wird, der rest entwicklet sich im und beim malen.
mack
... sind kleine Skizzen notwendig.

Hallo zusammen

Ich male zwar keine großen Gemälde, aber kann zu Skizzen trotzdem
was schreiben. (Ja, das eine schließt das andere nicht aus... soll ich jetzt
das inner- oder das außerhalb der Klammer löschen?)

Skizzen können dort sein: die leere Rückseite eines sinnlosen und unaufgefordert
eingegangen Werbebriefs, der freie Platz auf dem Notizblatt (A5, A4) am Telephon,
der Zettel auf dem man sich gewiße, wichtige Knoten und Dinge des neuinstallierten
Rechners vermerkt hat und auf dummerweise abgedeckten halbfertigen Zeichnungen,
die irgendjemand so hingelegt hat, daß es aussieht als seien sie einfach leere Blätter.

Skizzen können zur Not auch auf einem leerem A4-Blatt aus der 500er Packung, einem
Stück sauberen Packpapier oder der immer wieder beschlagenen Fensterscheibe (Digi
cam) entstehen.

Das sind oft Skizzen, die ein nahes Verfalldatum tragen, es ist eigentlich die Test-
rechnung zwischen innen und außen, Gehirn und Papier.

Der einzige Vorteil, den niemand abstreiten kann, ist, daß man sich auf diese Art so
sehr mit einem geplanten, entstehenden Bild befasst, daß man oft auf die sehr viel
aufwendigeren Skizzen oder sogar konstruierten, verzichten können wird. Und not-
wendige Änderungen - bei Gemälden - müssen nicht von der Leinwand ertragen werden,
nur von simplem Papier.

Der Beitrag ist auch eine Skizze.

Marcel
K.R.
ich mache oft - nicht immer - skizzen, auf papier, mit aquarell, manchmal fotos, manchmal sogar "geistige" skizzen, also nur im kopf.
es ist, wie con trust schon sagte, die intensive beschäftigung mit dem thema, eine art experiment.

aber merkwürdigerweise kürzt es den malvorgang überhaupt nicht ab.
das, was ich beim skizzieren entdeckt habe, wird beim ausführen weiterentwickelt.
d.h. ich übermale trotzdem, wasche ab, ändere, habe neue ideen, die die grundidee abwandeln.
manchmal entdecke ich beim abwaschen wieder spuren von formen und strukturen, die ich bereits verworfen habe, greife sie wieder auf.

vergleicht man das bild, das ich schließlich so sein lasse, wie es mir am besten zu sein scheint (fertig ist es für mich immer nur für einen tag oder ein paar tage) mit den skizzen, gibt es große unterschiede.

ich glaube, fertig wäre ein bild für mich erst dann, wenn ich die dafür zuständigen gedanken zum thema beendet hätte - aber wer kann das schon von sich sagen?

also, genau genommen sind alles skizzen, die kritzeleien und die bilder auch.
Oliver
Manchmal mache ich Skizzen zu Gemälden. Das geschieht eigentlich erstmal zum Festhalten der spontanen Idee und klär auch einige Dinge ab, so dass man später weniger vor der Leinwand überlegen muss - das tu ich so schon genug.
Aber im Großen und Ganzen war ich nie ein wirklicher Skizzenmensch, was ich persönlich aber auch irgendwie als Nachteil empfinde.
lunalore
lustig ist, dass ich erst gestern wieder einmal darüber nachgedacht habe, weil
ein 1 mal 1 meter bild fast fertig habe, dass ich wieder "gezaubert" habe...

es kommt auf die arbeitsweise eines jeden künstlers an:


ich hatte ein seminar an der uni, bei dem mich die dozentin zwingen wollte
erst eine skizze zu machen und dann ein schwarz-weiß-vor-gemälde...
das war für mich völlig unsinnig (weil es meiner arbeitsweise nicht entspricht,
sondern ihrer) und deswegen hab ich mit dem "quatsch" aufgehört und einfach
losgearbeitet...
sie wollte MEIN wesen und MEINE art und weise nicht verstehen:

ich arbeite so:

ich drücke mich und meine gedanken in farben und gefühlen aus und fange einfach
an (nix mit angst vor dem weißen untergrund)... und lasse die farben kommunizieren und irgendwie scheine ich in die leinwand zu fließen... ich kann das nicht erklären, weil das ein wahnsinnig intensiver prozess ist...
irgendwann sage ich "so, gut für heute". dann stelle ich das bild in mein zimmer und schaue es mir an: ich sehe plötzlich eine ganz selt vor mir, ganz klare wesen, so perfekt, dass ich sie so nicht hätte planen können! (am wochenende ist ein auf die knie gebückter mensch mit schnabel entstanden, der seine tränen in der hand auffängt, er hat eine krone auf und hinter ihm sehe ich eine sphinx)... ich sehe ihn mit meinen augen förmlich aus den farben steigen...
dann überlege ich mir wie ich weiter verfahre: ich ändere noch jene farbe oder diesen kontrast, gebe schwarz dazu und verdeutliche für andere augen mein wesen........
hat irgendwie mit der arbeit mit dem unterbewusstsein zu tun.

und es werden immer "tinas"! (grafisch geht das bei mir analog so... dennoch "übe ich das zeichnen zb im aktzeichnen!)
(mein avatarbild, der "cherub", also engel ist genau so ein bild. ich schaue hin und sehe einen engel, nachdem ich fertig gearbeitet hatte)

Mich würde interessieren': wer arbeitet auch so?
ich glaube, dass die mehrheit vorher ein festes konzept im kopf hat (ob 5 seiten ausgedruckt wie das bild sein soll (freund von mir), ob skizze, ob foto)



liebe grüße tina
www.tina-krauss.de
K.R.
tina, teilweise arbeite ich auch so wie du.

allerdings eben auch kombiniert mit dem, was ich oben beschrieben habe.
es ist immer ein mix aus emotionalem "ins-bild-fließen" und gedanklichem "darüber-reflektieren".
Coma
@ Tina

besser hätte ich meine Arbeitsweise nicht schildern können!!!! Und das macht die Erfüllung für mich selbst und die Lebendigkeit in den Bildern. Genauso sind meine besten Werke entstanden! Genau das beinhaltet für mich "Freie Malerei". (für mich)

coma
Barbara Weismantel
Prozessorientiert nenn ich das und mir macht das persönlich am meisten Spaß. Aber Skizze ist auch o.k. , wenn man sich nicht sklavisch dranhalten muss. (Für mich jetzt) Ich brauch immer ne gehörige Portion Experimentierlust um mich zu motivieren. Wenn ich weiß, wie es werden muss, langweilt mich das. Aber ich hab auch kein Problem mit nichtperfekten Sachen. Manchmal hab ich die sogar lieber als die gelungenen (wobei, wer entscheidet, was was ist? )
lunalore
das anhalten an eine skizze ist für mich wie:

das wissen vor dem werden...
bambina
Ich habs mal versucht mir vorher Skizzen zu machen,

aber ..............erstens verselbständigt sich das Bild jedesmal wenn ich dann dran bin,
es führt irgendwie ein Eigenleben ,das ich nicht direkt beeinflußen kann großes Grinsen

zweitens sind bei mir schon immer die ersten spontanen Ideen die besten und auf Papier gebracht am ansprechendsten
wenn ich das wiederholen müßte, ist bei mir die Luft raus grins

und drittens überrasche ich mich auch gern selber smile )


Was ich wohl schon gemacht habe, unterwegs auf Malta zB Skizzen ,die ich nachher teilweise umgesetzt habe, aber dass ging auch garnicht anders, denn im Flugzeug konnte ich nciht mein ganzes Malzeug mitnehmen.
Die Gemälde hatten aber nicht diese Frische der Skizzen,
was ich eigentlich sehr liebe.

Skizzen sind für eigenständige WErke,
und zeigen mir viel mehr von dem jenigen als die vollendeten Arbeiten.

Grüße
Bina
Alexander
Hallo Susanne,

eine Skizze ist meiner Meinung nach nicht unbedingt erforderlich, aber das hängt sehr stark davon ab, was man machen will. Auf Vorarbeit - auch wenn sie nur im Kopf stattfindet - könnte ich aber nie verzichten. Ich muss im Vorhinein immer wissen, was ich machen will. Ich schaffe Bilder nach Ideen; andernfalls würden die Bilder mich schaffen. ;-)

Gruss

Alexander
K.R.
Zitat:
Original von Alexander
....

Ich schaffe Bilder nach Ideen; andernfalls würden die Bilder mich schaffen. ;-)

.... Alexander


mich schaffen meine bilder auch manchmal, aber total!
großes Grinsen
Susanne Haun
Es ist wirklich ein fließender Prozeß .... eine Kombination aus beiden ist es wahrscheinlich.....

Gruß Susanne