Warum in Zeiten der Fofografie portrait malen?

Susanne Haun
Ich möchte diese Frage ersteinmal kommentarlos hier stellen und bin auf die Antworten gespannt.
coco
ich weis auch nicht...ich hab hier am pc überall fotos von den kids wie ich sie in einem moment spontan fotografiert hab mit mimiken und ausdruck
vielleicht können gute maler auch meine kids einfangen so wie sie sind, aber er kennt sie nicht und sie müssten da ewig sitzen mit demselben ausdruck im gesicht
also ich mag gemalte portraits überhaupt nicht
viele denke sie werten sich auf damit denk ich, immerhin beschäftigt man einen maler einige stunden mit sich...und meist malen sie ein klein wenig schöner als ein foto die realität zeigt
Portrait vom foto abmalen find ich am schlimmsten
chica
ooooch Coco, jetzt solltest du aber auch etwas toleranter sein.
Porträts male ich sehr oft, natürlich als Auftrag, das bringt auch ein bischen in die Kasse und mir macht es Spass, wenn derjenige ein interessantes Gesicht hat.
Ich mache das Foto von der Person immer selbst. Wenn der Auftraggeber dann rummeckert, kriegt er das Bild nicht. Von wegen da noch ein bisschen oder hier eine Falte weniger, ist bei mir nicht.
Mancher möchte sich wirklich eine nahestehende Person in Öl an die Wand hängen, warum denn nicht?
LG chica
RobertB
Warum einen Audi fahren, wenn ein Seat auch fährt, warum Rotwein trinken, wenn Wasser auch den Durst löscht, warum in Urlaub fahren, wenns hier auch regnet?

Das ist eben was Besonderes, das man sich leistet oder man steht halt nicht drauf. Für wen es was Besonderes ist, der ist auch bereit dafür geld auszugeben. Es gibt aber heutzutage sicherlich Viele, wie coco, die eine Bild in dem Fall wie ein Foto betrachten
K.R.
für mich ist die antwort klar, vorausgesetzt, dass das Portrait nicht eins zu eins von einem foto übertragen wurde:

wenn jemand interesse hat, sein ganz eigenes wesen in einem Portrait wiederzufinden, vielleicht auch wesenszüge, die nicht auf den ersten blick erkennbar sind,
die ganz persönliche ausstrahlung, die auf fotos meist auf der strecke bleibt,
etwas ganz typisches, das nur mit einem gewissen nicht- Realismus dargestellt werden kann.... dann sollte sie/er sich von einem künstler portraitieren lassen.

wobei ich nicht sagen möchte, dass all dies nicht auch ein guter fotograf einfangen könnte.
trotzdem ist ein gemaltes Portrait etwas ganz spezielles, ein unikat, eine besondere art der "verewigung" - weil es neben o.g. eigenschaften zusätzlich noch den ganz persönlichen blick des künstlers auf diese person zeigt.
coco
ich akzeptier es doch...mir gefällt es blos nicht
wenn ichs könnte und es würde geld bringen würd ichs auch machen :-)
mack
Hallo zusammen


Zum einen: warum nicht Portraits malen, machen, in Zeiten,
in denen die Möglichkeit Photographien zu machen, sogar schon
in sogenannte Handies implantiert wird.

Zum weiteren: warum Portraits... (Rest siehe oben)

Eine realistische, natürliche Abbildung von Oberflächen und
nichts als die Abbildung von Oberfläche ist meiner Sicht nach
rein dekorativ und in diesem Fall - Portrait - einfach Zeitver-
schwendung. (Dabei wäre eine Weiche, die ichhier legen könnte,
die: inwieweit sind die sogen. realistischen Portraits überhaupt
solche? Geschönt und verbessert, mit Künstlerschleim nachgebes-
sert, was das Leben des zahlenden Motivs mit seinem Gesicht an-
gestellt hat? Aber oh, aber ah - das würde hier zu weit führen.)

Aber bevor ein Sturm der Entrüstung losbricht und über mir zu-
sammenschlägt, wie die allesverschlingenden Fluten des österrei-
chischen Meeres (k.u.k.) durch das Schweik einst die Mamaluken
ins gelobte Kaffeehaus führte, lest noch dies:
jeder mag seine Zeit so verschwenden wie er es denn gerne möchte.
Ich auch - aber nicht mit den beschriebenen Portraits.

Wenn schon das Portrait einer wirklich existierenden Person zu einem
bestimmten Zeitpunkt, dann muß etwas anderes und vor allem mehr
dargestellt werden als nur die Oberfläche.

Meinung abgesondert, aus dem thread erstmal verabschiedet, sonst
könnte mir - mit Recht - vorgeworfen werden, ich hätte ja Alles schon
gesagt.)

'Don't let your eyes go googoo, don' let you mind go gaga' (Kay Starr)

Marcel
annett wetzel
Hallo Zusammen,

in mein Atelier kommen zu 80 % Kunden die ein Portrait haben wollen. Und ich finde diese Frage interessant, darum werde ich auch mal (ab und zu) einen Kunden danach fragen. Denn die Kunden wissen es ja wohl am bestensmile
Ich male auch gerne Portraits, die meisten wollen es 1:1, das bekommen sie dann auch. Ich bin eben auch Auftragsmalerin, hauptsache man macht es gerne.
bauzaun
@ con trust

Du bist einfach nur geil! großes Grinsen

Gibts dich auch in echt? großes Grinsen

Ich sehe es ähnlich, obwohl das für dich jetzt eher eine Schmach sein müsste! Draufhau großes Grinsen Augenzwinkern
chica
@ con trust
Zeitverschwendung sind für mich z.B. Computerspiele, smaltalk, Behördenkram, manches im Fernsehen...... aber niemals ein Porträt malen. Ich mache das richtig gern hihihi
Im Übrigen ist das bei mir wie bei Annett. Die Kunden wollen es lebensecht, aber geschönt kriegen sie es nicht von mir.
LG chica
mack
Eine Schmach?
Vielleicht, wenn du es mir erklärst warum... ich komme nicht drauf...

(Irgendwie hinterlässt der chat Spuren, tief wie meine Altmännerfalten..
einst sein werden. Zitat Lositheed: 'wahnsinn')

Marcel
mack
Na gut, das was du da aufzählst ist AUCH Zeitverschwendung...

Marcel
bauzaun
Du weisst schon was ich meine!

Egal! idee
Ulli
Ich bin ein Fan von gut gemalten Portraits. Auch von wirklich guten Fotografien.
Allerdings treibt sich in meiner Umgebung kein einziger "Helmut Newton" herum...


Gut gemalt bedeutet für mich nicht ein Portrait, bei dem man nur mit Mühe den Dargestellten erkennen kann (großäugig und geschönt), aber die meisten fotografierten Portraits sind auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.

In München gehe ich oft in die Neue Pinakothek und dort hängt eines meiner Lieblings-Portraits . Es ist der Graf von Keyserling, gemalt von Lovis Corinth.
Der Graf soll beim Anblick des Bildes nicht erfreut gewesen sein...
Mich erfreut es.
Susanne Haun
Ich denke, dass die Aufgabe des Portraits in der Malerei heute nicht mehr die genaue Darstellung ist. Ich denke wie K.R. das das Wesen des Menschen dargestellt werden soll. Das ist sehr viel schwerer, muß ich doch den Menschen, den ich portratieren soll dazu erst einmal sehr gut kennen.

Ich mag die Bilder von Corinth auch sehr, Ulii. Besonders die beiden Selbstdarstellungen in Ritterrüstung vor und nach seinem Herzinfarkt.

Gruß Susanne
Ulli
Ich mag auch Portraits, die gut fotografisch gemalt sind. Aber das scheint gar nicht so einfach zu sein . Ich kann das aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigen... unglücklich
mack
Hallo zusammen


Das ist etwas was ich bestätigen kann. Es ist nicht einfach.
Ich würde einer Künstlerin, die das tut auch nie Können und
Gedanken dazu absprechen wollen - nur scheitert die Einsicht
in solche Malerei (das Anerkennen als etwas, was ich dann auch
als sinnvoll ansehen kann, weil jetzt, heute und morgen gebraucht
oder notwendig) an der Existenz des Photoapparates an sich.

Realistisches Darstellen ist der subSekundenSpaß des gerade An-
wesenden geworden. Entwertung des |Bildes| und Datenentropie
aller Orten.

Harte Worte... harte Zeiten? (anderes Thema, ich weiß)

Marcel
Ulli
Die Begriffe "Brauchen " und "notwendig" sind in der Kunst vielleicht auch gar nicht so sinnvoll, denn das würde das breite Spektrum gewaltig einengen.
Meine Leidenschaft für Portraits hat mich mal zu dem Kauf des Portraits einer maus-äugigen Biedermeier-Dame bei ebay verleitet und ich muß jetzt meine Gäste immer aufklären, dass dies nicht (!) meine Ahnenfrau ist....
smile ) smile )
mack
Was antürlich durchaus lustig ist.

Brauchen, Bedarf, Notwendigkeit, Sachzwang sind keine begriffe, die in der Kunst
irgendeinen Wert haben (sollten).

Und natürlich will ich niemandem die Lust am realistischen Portrait verderben -
abgesehen davon, daß dies eh eine billige Vermutung wäre: wo kämen wir, als
gedachtes Ganzes, hin, wäre es möglich daß jeder hergelaufene Forumiero einem
anderen, durch eine Reihe launiger aber meinender Beiträge, die Lust abgrübe?
Wenn sich jede von einer anderen die Lust abgraben ließe??

Aber meine Ansicht bleibt bestehen: es ist eine Sache, die immer den Verdacht des
Nur-Dekorativen mit sich und in sich trägt... und den Verdacht der zu großen Ein-
flußnahme, da Motiv und Kunde und Empfänger oft ein und dieselbe Person sind.
O Payola, süß klingen deine Lieder durch die Trattoria....

Tschüß mal,
Marcel
Frank.Eberlein
Oft wird diese frage von Leuten gestellt, die selber kein erstellen können...

In einer Zeichnung steckt doch auch immer eine eigene Handschrift... können Fotos dies leisten?